Das persönliche Wohn-Portrait: Bewohner berichten aus ihrem Stadtteil

(Die Autorin ist Akademikerin, 35 Jahre alt, verheiratet, Mutter eines zweijährigen Sohnes und wohnt seit 7 Jahren in Augsburg-Oberhausen. Der Artikel gibt die persönliche Meinung und Erfahrung der Autorin zu ihrem Wohnstandort wieder.) Bilder: Medrano, Regio Augsburg Wirtschaft GmbH

Oberhausen

 

Läge der Augsburger Stadtteil Oberhausen in Berlin, wäre er vermutlich schon längst ein In-Viertel. So harren die Potenziale des multikulturellsten Stadtteils in Augsburg derzeit noch der Entdeckung durch "die Szene". Portrait eines Stadtteils für Pioniere.

Kleine Einfamilienhäuser mit Garten, ein idyllisches Bächlein schlängelt sich durch einen kleinen Park, am hölzernen Wasserrad spielen Kinder auf einem Wasserspielplatz, ein paar Meter weiter biegt plötzlich ein Traktor aus einer Hofeinfahrt des vermutlich letzten innerstädtischen Bauernanwesens. Im Oberhausener Hettenbachviertel, den Stadtbezirken rechts und links der Wertach scheint die Zeit stehen geblieben zu sein: Kleinbürgerliche Mehrfamilienhäuser, Altbauten mit ausgedehnten Innenhöfen und winzigen Läden, aus denen früher wohl Tante Emma verkaufte, säumen die mit Liebe zum Detail sanierten Spielstraßen. Kaum zu glauben, aber wir befinden uns in einem Augsburger Stadtteil, der direkt an die Innenstadt angrenzt.

 

Und in kaum einem Stadtteil Augsburgs trifft Idylle so jäh auf Großstädtisches: Ein meditatives Sufi-Zentrum hat sich in einem der kleinen Läden niedergelassen, ein paar Häuser weiter das Antifaschistische Zentrum Augsburgs und ein Yogastudio. Nur eine Straße weiter scheint dann direkt Berlin-Kreuzberg zu beginnen und der Stadtteil mit dem höchsten Ausländeranteil Augsburgs fährt das gesamte multikulturelle Infrastruktur-Repertoire auf  – Dönerläden, türkische Süßwaren- und Kräuterhändler, asiatische Spezialitäten, gefühlt Tag und Nacht geöffnete Internet- und Telefonläden, afrikanischer Lebensmittelshop und der "türkische Brautmodencluster" machen die Ulmer Straße und den Bahnhof Oberhausen zu einem nahezu Rund-um-die-Uhr belebten Multikulti-Boulevard. Wer des Nachts noch schnell einen Drucker, ein Fax oder einen Internetzugang oder exotisches Gemüse zum Kochen braucht, hat in Augsburg-Oberhausen kein Problem.

 

Ein paar Hundert Meter weiter Richtung Donauwörther Straße beginnt dann das Augsburger Ruhrgebiet: Arbeitersiedlungen aus der Jahrhundertwende, sehenswerte Industriearchitektur und der weithin sichtbare Gaskessel des Historischen Gaswerks, das sich übrigens gerade zum trendigen Festival- und Kulturstandort mausert, machen Oberhausen wie seinen Namensvetter im Ruhrgebiet zu einem echten Arbeiterstandort - wie im Ruhrgebiet sind auch die Arbeitsplätze nicht weit: Von MAN und manroland über das Gewerbegebiet in Oberhausen Nord bis zum Kleingewerbe in Hinterhöfen ist Augsburg-Oberhausen auch heute noch ein starker Wirtschaftsstandort.

 

Damit sind die zentralen Vorteile des Wohnstandorts Oberhausen auch schon fast alle angesprochen: Man kann hier nicht nur idyllisch, sondern vor allem auch sehr günstig wohnen, ist in 10 Minuten in der Innenstadt (zu Fuß, per Rad, und mit gleich zwei Straßenbahnlinien), hat mit dem Bahnhof Oberhausen den zweitwichtigsten Bahnhof Augsburgs mit durchgehenden Zügen nach München vor der Tür und eine infrastrukturelle Nah-Vollversorgung mit Geschäften und auch größeren Stadtteil-Einkaufszentren, die ihresgleichen sucht. Mit der renaturierten Wertach, die sich mitten durch den gesamten Stadtteil zieht, hat man nicht zuletzt auch ein attraktives Naherholungs-, Jogging- und Flußbadeparadies in fußläufiger Entfernung.

 

Das große Aber kommt zum Schluss: Um diese Vorteile genießen zu können, muss man Pionier sein, der keine Berührungsängste mit anderen Kulturen oder einkommensschwächeren Bewohnern hat, sich mit seiner Wohnstandortwahl über den schlechten Ruf des Stadtteils selbstbewusst hinweg setzt und nicht gleich die Räumung seines Viertels von sozialen Problemgruppen fordert. Zukünftige Bewohner sollten einiges an Toleranz gegenüber internationalen Nachbarn und ihren speziellen Eigenheiten oder dem feucht-fröhlichen Arbeitslosen-Treffpunkt vor dem Oberhauser Bahnhof aufbringen und den in diesen Zonen gelegentlich auftretenden Sperrmüll auf den Straßen als interessante Fundgrube betrachten. Wenn man angesichts der geschilderten Vorzüge des Stadtteils über diese Eigenheiten hinwegblicken kann, wohnt man in Oberhausen insgesamt sehr friedlich und sicher und kann auch als junge Frau angstlos im Dunkeln nach Hause gehen.

Im Prinzip bietet Oberhausen auch für Familien mit Kindern mit wunderbaren Spielplätzen, umfangreicher Kinderbetreuung, Häusern mit Höfen und Gärten, Spielstraßen etc. eine herrliche Infrastruktur - allerdings nur, wenn die Eltern sich das Multikulti-Experiment schon im Kindergarten vorstellen können oder von vornherein andere Lösungen (z.B. private Einrichtungen) für Kindergärten und Schule ihrer Kinder ins Auge fassen.

 

Warum man hier Pionier werden sollte? Weil Oberhausen so ein Stadtteil werden könnte, der eines Tages richtig "cool" wird. Kleine Ladenlokale und leerstehende Immobilien zur kreativen Entfaltung gäbe es zumindest in Masse.

 

Naherholungs-, Jogging- und Flußbadeparadies entlang der Wertach

Nicht nur im goldenen Herbst bezaubernd!

Daten zum Wohnstandort

Preise:
Wohnungen zur Miete: 6,80 EUR/m²
Eigentumswohnungen: 1.400 EUR/m²
Häuser zum Kauf: 255.000 EUR

Haushalte:
Double Income No Kids: 5 %
Singles: 48 %
Familien: 20 %

Bebauung:
54 % Wohnungen
46 % Einfamilienhäuser

 

Quelle: www.Immobilienscout24.de

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