Vom Augsburger Pioniergeist gepackt

Die Region Augsburg war schon oft einen Schritt voraus: der Dieselmotor, der erste einsatzfähige Düsenjet oder das Finanzwesen der Fugger sind Auszüge einer gelebten Pioniermentalität, die sich auch beim Thema Universitätsmedizin zeigt. Prof. Dr. Martina Kadmon, Gründungsdekanin der Medizinischen Fakultät an der Universität Augsburg, verrät im Interview, was Studierende und Lehrende am Universitätsstandort Augsburg schätzen – und was die Erfolgsfaktoren für das Projekt Universitätsmedizin sind.

     

Prof. Dr. Martina Kadmon, Gründungsdekanin der Medizinischen Fakultät an der Universität Augsburg. Bild: Universität Augsburg, Klaus Satzinger-Viel

Frau Prof. Dr. Kadmon, die Reihen um Sie herum füllen sich mehr und mehr. Wie punktet der Unimedizinstandort Augsburg in Ihren Augen?

    

Der Universitätsstandort Augsburg punktet sowohl bei Studierenden als auch bei Professorinnen und Professoren und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Die hohe Zahl von Bewerbungen aus Augsburg, Bayern, den anderen Bundesländern und auch aus dem Ausland für ein Medizinstudium bei uns hat gezeigt, dass wir ebenso attraktiv sind wie bereits länger etablierte und traditionsreiche Studiengänge. Dies liegt zum einem am Konzept unseres Modellstudiengangs, das auf viel Anklang stößt. Durch die Verzahnung von Theorie und Praxis wird viel anschaulicher, warum bestimmte theoretische Inhalte für die medizinische Praxis wichtig sind. Zum anderen ist für einige Studierende aber auch die Pioniersituation in Augsburg besonders reizvoll, wie sie mir erzählt haben. Das gleiche gilt für die Professorinnen und Professoren sowie das wissenschaftliche Personal, die die Neugründungssituation spannend finden.

   

Eine starke Anziehungskraft entfalten unsere beiden Forschungsschwerpunkte Medizinische Informatik und Umwelt und Gesundheit und die Klinischen Profilzentren Tumormedizin, Gefäßmedizin und Allergologie. Durch dieses Forschungsprofil der Universitätsmedizin Augsburg stehen vor allem Fortschritte bei häufigen Erkrankungen wie Krebs, Diabetes, Asthma usw. auf der Agenda. Aber auch übergeordnete Themen, die medizinische Bedeutung haben und darüber hinaus auch die Gesellschaft allgemein bewegen, wie etwa der Klimawandel, Umweltbelastungen, Fragen der Digitalisierung im Gesundheitswesen und in der Wissenschaft stehen im Zentrum unseres wissenschaftlichen Arbeitens.  Zum 1. September haben wir die deutschlandweit erste Professur zum Thema regionaler Klimawandel und Gesundheit besetzt – wir haben hier in Augsburg eine Vorreiterrolle auf diesem Gebiet, weil wir frühzeitig auf diese Themen gesetzt haben, die in der medizinischen Forschung erst seit kurzem eine so hohe Beachtung finden. Das alles zusammen macht Unimedizinstandort Augsburg sehr attraktiv.

  

Und wie reagieren Ihre Gesprächspartner auf die Region Augsburg?

  

Sowohl die Stadt als auch die Region Augsburg werden als sehr lebenswert empfunden und die Professorinnen und Professoren, die hier einen Lehrstuhl angetreten haben, wie auch alle anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, fühlen sich wohl hier. Es gibt natürlich auch ein paar Themen, die wir in der Zukunft gemeinsam angehen sollten, wie beispielsweise Wohnraum für Studierende und zukünftiges Personal der Universitätsmedizin. Insgesamt halte ich es für sehr wichtig, dass wir uns als Vertreter der Universitätsmedizin und als Vertreter von Stadt und Region eng vernetzen und darüber austauschen, welche Belange wir wechselseitig haben. Hier befinden wir uns schon auf einem gemeinsamen Weg, den ich als sehr positiv empfinde.

   

Was war in Ihren Augen bisher die größte Herausforderung, auf die Sie im Kontext des Aufbaus der Universitätsmedizin gestoßen sind?

   

Eine große Herausforderung war definitiv das hohe Tempo, mit dem wir an den Start gegangen sind, um den Studienbeginn in diesem Oktober zu ermöglichen. Vieles musste gleichzeitig passieren: Der personelle Aufbau des Dekants, die Planung und Ausarbeitung des Studiengangs, die Vorbereitung des Auswahlverfahrens, die Verabschiedung einer Studien- und Prüfungsordnung auf der einen Seite. Auf der anderen Seite die Berufung der Professorinnen und Professoren, die für die Lehre in den ersten Semestern benötigt werden, und natürlich die Ertüchtigung von Flächen für Lehre und Forschung in den ersten Jahren sowie die Planung unseres künftigen Medizincampus mit einer ganzen Reihe an neuen Gebäuden. Das alles wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht alle Beteiligten an einem Strang gezogen hätten: Der Freistaat Bayern und das Wissenschaftsministerium, die Vertrauen in Augsburg haben und durch eine gute finanzielle Ausstattung diesen schnellen Prozess ermöglich haben, die Universitätsleitung mitsamt der Administration, das Universitätsklinikum und natürlich auch das Staatliche Bauamt, das im Moment sehr viele bauliche Projekte im Rahmen der Universitätsmedizin vorantreibt.

   

Wir können uns vorstellen, dass Ihre Arbeitstage sehr spannend, aber manchmal auch wirklich lang sind. Wie schalten Sie in Ihrer Freizeit und in der Region Augsburg gerne mal ab?

   

Ja das stimmt, es gibt wirklich immer viel zu tun bei uns. In den letzten Jahren haben wir alle mit Fleiß, mit harter Arbeit, durchaus mit viel Spaß, aber vor allem mit viel Leidenschaft auf den Start hingearbeitet. Ich bin meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die nie auf die Uhr schauen, wirklich dankbar für ihre Unterstützung. Was meine Freizeit angeht muss ich sagen, dass man hier in der Region wirklich tolle Möglichkeiten hat. Ich bin gern an der frischen Luft und lasse beim Laufen im wunderbaren Siebentischwald den Arbeitsalltag hinter mir. Außerdem genieße ich es, ab und zu durch die Augsburger Innenstadt zu schlendern und die sehr ansprechenden Programmkinos zu besuchen.