Chancen und Potenziale der Gesundheitswirtschaft

Räumliche Schwerpunkte der Unternehmensstandorte in der Gesundheitswirtschaft im Wirtschaftsraum Augsburg, Quelle: IHK Schwaben

Bereits heute ist die Gesundheitswirtschaft in der Region eine wichtige Größe, in der Bedeutung für die Region nimmt sie aber bisher keine überdurchschnittliche Position ein. 2017 waren im Wirtschaftsraum Augsburg ca. 37.000 Personen in den Branchen der Gesundheitswirtschaft beschäftigt, das entspricht einem Anteil von 15 Prozent an der Gesamtwirtschaft. Die Zahl der Beschäftigten hat in den letzten 10 Jahren um 31 Prozent zugenommen. Sowohl der Anteil an der Gesamtbeschäftigung wie auch die Zuwächse liegen etwas unter den Werten für Bayern. Ein besonderes Gewicht innerhalb der Gesundheitswirtschaft im Wirtschaftsraum Augsburg haben die Krankenkassen und auch die Handelsvermittlung von pharmazeutischen Erzeugnissen: Der Vergleich zu Gesamtschwaben zeigt allein hier einen überdurchschnittlichen Lokalisationsquotienten*. Der Wirtschaftsraum Augsburg hat sich bisher also noch nicht als ausgesprochene Gesundheitsregion positioniert, das verdeutlicht aber auch die guten Entwicklungspotenziale in diesem Segment.

   

(*Mit dem Lokalisationsquotienten werden die Branchenanteile auf der Ebene des Wirtschaftsraums Augsburgs zu den Branchenanteilen in Schwaben in Beziehung gesetzt. Die Größe des Lokalisationsquotienten zeigt, inwieweit sich die regionale Beschäftigung einer Branche von der Beschäftigung einer Branche im übergeordneten Gesamtraum unterscheidet.)

     

Ansatzpunkte in die Branchen hinein sind zahlreich und spannend

    

Die Wirtschaftsstruktur der Region Augsburg ist aktuell geprägt durch starke technologieorientiere produzierende Unternehmen aus den Bereichen der Mechatronik, Luft- und Raumfahrt/CFK, Informations- und Kommunikationstechnologie oder Umwelttechnik. Dieser starke Besatz an Technologieunternehmen bietet nun Ansätze für die Medizin, die deutschland-weit einzigartig sind: Ein Schwerpunkt der neuen Universitätsmedizin wird im Bereich Medizininformatik liegen. Damit ergeben sich für die IT-Branche in der Region mögliche Anknüpfungspunkte, zum Beispiel in der Zusammenarbeit im Bereich IT-Health, KI-Anwendungen in der Pflege oder dem Thema Datascience in der Diagnostik. Der zweite Schwerpunkt ist der Bereich Umweltmedizin. Aktuell gibt es in der Region Augsburg ca. 650 Unternehmen in der Umweltbranche im engeren Sinn. Mögliche Berührungspunkte ergeben sich für Unternehmen aus den Bereichen Luftreinhaltung, Gewässerschutz, Kreislaufwirtschaft oder Arbeitsschutz. Forschungen zu Umweltbelastungen können aber auch die Anforderungen an die Wirtschaft in Bezug auf Filtertechniken oder Grenzwerte für Emissionen verschärfen. Hier kann möglicherweise durch eine frühzeitige Einbindung der Unternehmen an wirtschaftsfreundlichen Lösungen gearbeitet werden.

  

Besonderes Potenzial im Bereich Gründer und Startups

   

Interessant für mögliche Verknüpfungen mit der Unimedizin sind allerdings nicht nur Bestandsunternehmen, die sich durch ein hohes Engagement im Bereich der Forschung und Entwicklung und innovative Technologien auszeichnen. Besonderes Potenzial für die regionale Wirtschaft besteht aus heutiger Sicht auch im Bereich Gründer und Startups. Im Wirtschaftsraum Augsburg gibt es schon heute eine aktive Gründerszene. Einrichtungen wie das TZA oder UTG bilden dafür eine gute Grundlage. Mit beginnender Forschungs- und Lehrtätigkeit am neuen Universitätsklinikum werden sich die Gründungsaktivitäten verstärken. Gerade interdisziplinäre Ansätze, die sich aus einer guten Vernetzung mit anderen Fakultäten, aber gerade auch mit der Wirtschaft ergeben, wirken sich positiv auf das Gründungsverhalten aus.

Es können sich also zahlreiche Anknüpfungspunkte für die regionale Wirtschaft ergeben. Kooperationsmöglichkeiten, Vernetzungsaktivitäten und mögliche Synergien werden im Lauf des Aufbaus der Universitätsmedizin immer relevanter.

  

Neue wirtschaftliche Ära für die Region Augsburg eingeleitet

  

Ein Blick auf Augsburgs wirtschaftliche Entwicklung zeigt, dass die Stadt keineswegs nur im „goldenen“ 16. Jahrhundert, dem „Zeitalter der Fugger“, ein Wirtschaftszentrum von überregionaler, in einigen Branchen sogar internationaler Bedeutung war. Augsburg gelang es immer wieder, sich neu zu positionieren. Die Gründung des Universitätsklinikums Augsburg und die Etablierung der Universitätsmedizin leitet nun eine neue wirtschaftliche Ära für die Region Augsburg ein.