Praxisbeispiel: Nachhaltiges Wirtschaften – Artenschutz im Gleitschirmsport: Fairplay statt Flugrekorde

Was wie ein klassischer Nutzungskonflikt zwischen Sport, Landwirtschaft und Naturschutz begann, entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte, die zeigt, wie verantwortungsvolles Handeln aussehen kann. Ein bemerkenswertes Beispiel für gelebten Naturschutz sorgt derzeit im Rothtal für Aufmerksamkeit: Die Pilotinnen und Piloten des Vereins Para-Air Augsburg West e.V. verzichten freiwillig auf wertvolle Punkte in der 1. Gleitschirm-Bundesliga, um die Brut des stark gefährdeten Kiebitz zu schützen. 

Ein seltener Vogel stoppt den Flugbetrieb und die Piloten ziehen mit.

Auf einem Maisacker zwischen Horgau und Bieselbach haben sich im April drei Brutpaare des Kiebitz angesiedelt – einer Art, deren Bestand in Deutschland in den letzten 30 Jahren um rund 88 Prozent eingebrochen ist. Genau dieses Feld dient den Gleitschirmfliegern normalerweise als Schleppgebiet zum Starten der Gleitschirme. „Als uns der Naturpark-Ranger über die Brut informierte, war klar: Wir stellen den Flugbetrieb ein“, sagt Bernhard Tochtermann, 1. Vorsitzender des Vereins. „Wir fliegen in der Bundesliga, aber der Schutz einer bedrohten Art wiegt schwerer als jeder Punkt.“ Viele Pilotinnen und Piloten sahen den Verzicht sogar als Chance, ein Zeichen zu setzen: „Echter Sportsgeist zeigt sich nicht nur in der Luft, sondern auch am Boden“, so Engelbert Kohler, Ehrenvorsitzender des Vereins.

Ein Sport, der Natur nicht verdrängt, sondern begleitet

Der Gleitschirmsport gilt als eine der naturverträglichsten Flugarten überhaupt: nahezu lautlos, emissionsarm und ohne Eingriffe in die Landschaft. Während des Fluges werden die Pilotinnen und Piloten häufig von Bussarden, Milanen oder Turmfalken begleitet; ein Hinweis darauf, wie gut sich der Sport in bestehende Ökosysteme einfügt. „Sobald wir in der Luft sind, reagieren die Vögel kaum auf uns“, erklärt Tochtermann. „Wir teilen uns die Thermik. Manchmal fliegen Greifvögel sogar direkt neben uns. Das ist ein besonderes Erlebnis und zeigt, wie eng unser Sport mit der Natur verbunden ist.“

Was wie ein klassischer Nutzungskonflikt zwischen Sport, Landwirtschaft und Naturschutz begann, entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte, die zeigt, wie verantwortungsvolles Handeln aussehen kann. Ein bemerkenswertes Beispiel für gelebten Naturschutz sorgt derzeit im Rothtal für Aufmerksamkeit: Die Pilotinnen und Piloten des Vereins Para-Air Augsburg West e.V. verzichten freiwillig auf wertvolle Punkte in der 1. Gleitschirm-Bundesliga, um die Brut des stark gefährdeten Kiebitz zu schützen. 

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Ein Sport, der Natur nicht verdrängt, sondern begleitet

Der Gleitschirmsport gilt als eine der naturverträglichsten Flugarten überhaupt: nahezu lautlos, emissionsarm und ohne Eingriffe in die Landschaft. Während des Fluges werden die Pilotinnen und Piloten häufig von Bussarden, Milanen oder Turmfalken begleitet; ein Hinweis darauf, wie gut sich der Sport in bestehende Ökosysteme einfügt. „Sobald wir in der Luft sind, reagieren die Vögel kaum auf uns“, erklärt Tochtermann. „Wir teilen uns die Thermik. Manchmal fliegen Greifvögel sogar direkt neben uns. Das ist ein besonderes Erlebnis und zeigt, wie eng unser Sport mit der Natur verbunden ist.“

Warum der Startbetrieb problematisch wäre:

Während die Vögel auf Gleitschirme in der Luft kaum reagieren, liegt die Herausforderung am Boden: Für jeden Start wird ein 1,3 Kilometer langes Windenseil mit einem Quad über das Feld ausgelegt; genau dort, wo die Kiebitze brüten. An Bundesligawochenenden würde dies zu wiederholten Störungen führen. „Die Startvorbereitungen wären in dieser Phase schlicht nicht verantwortbar“, so Tochtermann.

Naturpark vermittelt und schafft eine Lösung, die Schule machen könnte:

Eine Schlüsselrolle spielte der Naturpark Augsburg – Westliche Wälder e.V., der zwischen den Interessen vermittelte und ein Schutzkonzept entwickelte. „Dass hier ein so sensibles Brutgeschehen erfolgreich geschützt werden konnte, ist dem außergewöhnlichen Engagement aller Beteiligten zu verdanken“, betont Björn Raddatz, Geschäftsführer des Naturparks.

Naturpark-Ranger Maximilian Fader, der ein Kiebitz-Schutzprojekt leitet, koordinierte die Abstimmung zwischen Verein, Landwirt und Behörden. Der Landwirt stimmte zu, die Nester mit Bambusstäben zu markieren; ein wichtiger Schritt, um sie bei der Feldbearbeitung zu schützen. Gleichzeitig erhält er einen Ausgleich für mögliche Ertragsverluste. „Die Markierungen ermöglichen uns zudem eine störungsarme Beobachtung aus großer Distanz“, erklärt Fader. „Der Kiebitz reagiert besonders empfindlich auf Störungen am Boden.“ Sobald die Pulli, wie die Küken des Kiebitzes in der Fachsprache genannt werden, geschlüpft sind ist die Gefahr vorüber. Als Nestflüchter verlassen die Pulli innerhalb weniger Stunden den Gefahrenbereich. Dann kann der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden.

Erst die Sorge, dann die Erleichterung: Die Brut war erfolgreich – gleich vier Jungtiere sind geschlüpft.

Lange war unklar, ob die Brut überhaupt gelungen war. Immer wieder schien es, als sei alles vergebens gewesen. Doch schließlich die erlösende Entdeckung: Vier quicklebendige Jungtiere. „Wir hatten schon das Schlimmste befürchtet, doch am Ende wurden wir belohnt“, sagt Ranger Fader, „Ein bedeutender Beitrag zum Schutz der bedrohten Art.“ Der Gleitschirmverein ist inzwischen wieder im Regelbetrieb und arbeitet daran, seinen Bundesligarückstand aufzuholen. „Die vier Jungtiere zeigen, dass unsere Entscheidung richtig war. Wir sind überglücklich.“, so Tochtermann.

Langfristige Zusammenarbeit

Naturpark und Gleitschirmverein wollen die erfolgreiche Zusammenarbeit verstetigen und langfristige Lösungen entwickeln, damit Kiebitze und Gleitschirme das Rothtal künftig gleichermaßen prägen. „Genau hier liegt die Aufgabe des Naturparkvereins“, sagt Raddatz. „Wir wollen Wege finden, wie Natur und Mensch in unserer Kulturlandschaft harmonisch zusammenwirken können.“

Warum der Startbetrieb problematisch wäre:

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