Praxisbeispiel: nachhaltiges Bauen & Innovation – Alternative mit Vorteilen: Aufstockung
Martini GmbH & Co. KG
Neuer Wohnraum entsteht über den Dächern des Antonsviertels in Augsburg, ohne neue Flächen zu versiegeln.
Neuer Wohnraum entsteht über den Dächern des Antonsviertels in Augsburg, ohne neue Flächen zu versiegeln. Wohnraum ist vielerorts knapp, Baugrund in der Innenstadt erst recht. So auch in Augsburg. Ein anderer Punkt, weswegen die Nachfrage höher ist als das Angebot, sind hohe Baukosten. Eine Methode, die hier teilweise Abhilfe schaffen kann, ist das Aufstocken von existenten Häusern. Ein Beispiel dafür kann man in der Fuggerstadt finden. In der Reisingerstraße 6 bis 10 entstehen derzeit (Stand: im Juli 2026) durch die Aufstockung eines bestehenden Wohngebäudes acht zusätzliche Wohnungen. Das Projekt zeigt, wie in Augsburg dringend benötigter Wohnraum geschaffen werden kann – ohne neue Flächen zu versiegeln.
Neuer Wohnraum entsteht über den Dächern des Antonsviertels in Augsburg, ohne neue Flächen zu versiegeln.
Neuer Wohnraum entsteht über den Dächern des Antonsviertels in Augsburg, ohne neue Flächen zu versiegeln. Wohnraum ist vielerorts knapp, Baugrund in der Innenstadt erst recht. So auch in Augsburg. Ein anderer Punkt, weswegen die Nachfrage höher ist als das Angebot, sind hohe Baukosten. Eine Methode, die hier teilweise Abhilfe schaffen kann, ist das Aufstocken von existenten Häusern. Ein Beispiel dafür kann man in der Fuggerstadt finden. In der Reisingerstraße 6 bis 10 entstehen derzeit (Stand: im Juli 2026) durch die Aufstockung eines bestehenden Wohngebäudes acht zusätzliche Wohnungen. Das Projekt zeigt, wie in Augsburg dringend benötigter Wohnraum geschaffen werden kann – ohne neue Flächen zu versiegeln.
3 Tipps zum Nachmachen
- eine verlässliche Planung
- klare Bauabschnitte
- die statische Eignung als Ausgangspunkt des Projekts
Aufstockung in innerstädtischen Lagen
In Augsburg stehen viele Bestandsgebäude an gut erschlossenen Standorten, bei denen bislang ungenutztes Potenzial über den vorhandenen Dächern liegt. Genau dieses Potenzial nutzt die Firma Martini derzeit im Antonsviertel: Das Mehrfamilienhaus in der Reisingerstraße 6 bis 10 wird um zwei Vollgeschosse aufgestockt.Das Gebäude stammt aus den 1920er- Jahren und umfasst bislang 24 Wohnungen sowie eine Gewerbeeinheit. Insgesamt verfügt die Immobilie über rund 2300 Quadratmeter vermietbare Fläche. In den vergangenen Jahrzehnten wurde das Haus regelmäßig renoviert und energetisch verbessert. Nun kommen rund 700 Quadratmeter neue Wohnfläche hinzu – mitten in der Stadt, auf einem bereits genutzten Grundstück. „Wir wollen zeigen, dass zusätzlicher Wohnraum nicht immer auf der grünen Wiese entstehen muss“, sagt Herbert Kriegel, Prokurist des Augsburger Familienunternehmens Martini. „Gerade in innerstädtischen Lagen ist Aufstockung eine nachhaltige und städtebaulich sinnvolle Möglichkeit, vorhandene Infrastruktur besser zu nutzen.“
Das Projekt wird von Diplom-Ingenieurin Annabelle Schmid vom Augsburger Büro Schmidarchitekten geplant und umgesetzt. Die beiden neuen Vollgeschosse entstehen in Holzbauweise. „Diese Bauweise eignet sich besonders für Aufstockungen, weil sie vergleichsweise leicht ist und einen hohen Vorfertigungsgrad ermöglicht. Gerade beim Bauen im bewohnten Bestand ist das ein entscheidender Vorteil: Die Bauzeit kann besser strukturiert, Belastungen für die Mieterinnen und Mieter können reduziert werden“, erklärt Schmid.
Denn das Haus bleibt während der Bauphase bewohnt. Alle Bestandsmietenden können in ihren Wohnungen bleiben. Natürlich werde es während der Bauzeit Einschränkungen geben, betont Kriegel. Umso wichtiger seien eine verlässliche Planung, klare Bauabschnitte und eine offene Kommunikation mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. Die Bauzeit ist mit rund zwölf Monaten kalkuliert. „Ein zentrales Thema bei Aufstockungen ist die Statik, hier muss auch der Baugrund auf Tragfähigkeit untersucht werden“, erläutert Kriegel. Das Gebäude in der Reisingerstraße verfügt über massive Ziegelwände und Holzbalkendecken. Vor dem Start musste daher genau geprüft werden, ob die vorhandene Konstruktion die zusätzlichen Geschosse tragen kann. „Die statische Eignung ist der Ausgangspunkt jedes solchen Projekts“, sagt der Prokurist. „Ohne diese Grundlage lässt sich eine Aufstockung nicht seriös planen.“
Teil einer langfristigen Strategie
Auch praktische Fragen im Bestand mussten gelöst werden. Für die neuen Wohnungen wurden die Kellerräume neu aufgeteilt, damit ausreichend Abstellflächen zur Verfügung stehen. Zudem wurde das Gebäude von einer Gaszentralheizung auf Fernwärme der Stadtwerke Augsburg umgestellt. Damit verbindet das Projekt die Schaffung zusätzlichen Wohnraums mit einer energetischen Weiterentwicklung des Bestands. Besondere Aufmerksamkeit galt auch dem Thema Stellplätze. Rechnerisch lösen die acht neuen Wohnungen einen Bedarf von acht Kfz- Stellplätzen aus. Durch ein Mobilitätskonzept konnte dieser Bedarf auf sechs Stellplätze reduziert werden, die vollständig auf dem eigenen Grundstück nachgewiesen werden. Ausschlaggebend sind die Lage und die vorhandenen Alternativen zum eigenen Auto: Eine ÖPNV-Haltestelle liegt nur etwa 180 Meter entfernt, Carsharing-Angebote und Leihfahrräder der Stadtwerke Augsburg sind verfügbar, Nahversorgung ist in wenigen Gehminuten erreichbar, medizinische Grundversorgung befindet sich in der Nähe.
Für die Firma Martini ist das Projekt Teil einer langfristigen Strategie. Das Unternehmen ist seit Generationen Bestandshalter in Augsburg und verwaltet neben Wohnimmobilien auch Gewerbeflächen und Erbbaurechtsgrundstücke. Neue Mietflächen sollen künftig verstärkt auf bestehenden Grundstücken entstehen – sowohl im gewerblichen als auch im wohnwirtschaftlichen Bereich. Das Beispiel im Antonsviertel zeigt, welche Chancen in der Weiterentwicklung bestehender Gebäude liegen. Aufstockungen sind technisch anspruchsvoll und erfordern sorgfältige Planung. Sie bieten aber einen entscheidenden Vorteil: Es entsteht neuer Wohnraum dort, wo Straßen, Leitungen, öffentlicher Nahverkehr, Einkaufsmöglichkeiten und soziale Infrastruktur bereits vorhanden sind. „Bauen im Bestand ist komplex“, sagt Kriegel. „Aber wenn die Voraussetzungen stimmen, ist es eine der wirksamsten Möglichkeiten, innerstädtisch Wohnraum zu gewinnen. Deshalb möchten wir auch andere Bestandshalter ermutigen, ihre Gebäude unter diesem Blickwinkel zu prüfen.“
Die Reisingerstraße 6 bis 10 könnte damit über das einzelne Bauprojekt hinaus Wirkung entfalten; als Beispiel dafür, wie Augsburg wachsen kann, ohne weiter in die Fläche zu gehen – indem die Stadt an geeigneten Stellen behutsam nach oben weitergebaut wird.
(Dieser Beitrag ist ebenfalls erschienen in der Augsburger Allgemeinen Zeitung vom 4. Juli 2026 / www.augsburger-allgemeine.de)
Auch praktische Fragen im Bestand mussten gelöst werden. Für die neuen Wohnungen wurden die Kellerräume neu aufgeteilt, damit ausreichend Abstellflächen zur Verfügung stehen. Zudem wurde das Gebäude von einer Gaszentralheizung auf Fernwärme der Stadtwerke Augsburg umgestellt. Damit verbindet das Projekt die Schaffung zusätzlichen Wohnraums mit einer energetischen Weiterentwicklung des Bestands. Besondere Aufmerksamkeit galt auch dem Thema Stellplätze. Rechnerisch lösen die acht neuen Wohnungen einen Bedarf von acht Kfz- Stellplätzen aus. Durch ein Mobilitätskonzept konnte dieser Bedarf auf sechs Stellplätze reduziert werden, die vollständig auf dem eigenen Grundstück nachgewiesen werden. Ausschlaggebend sind die Lage und die vorhandenen Alternativen zum eigenen Auto: Eine ÖPNV-Haltestelle liegt nur etwa 180 Meter entfernt, Carsharing-Angebote und Leihfahrräder der Stadtwerke Augsburg sind verfügbar, Nahversorgung ist in wenigen Gehminuten erreichbar, medizinische Grundversorgung befindet sich in der Nähe.
Für die Firma Martini ist das Projekt Teil einer langfristigen Strategie. Das Unternehmen ist seit Generationen Bestandshalter in Augsburg und verwaltet neben Wohnimmobilien auch Gewerbeflächen und Erbbaurechtsgrundstücke. Neue Mietflächen sollen künftig verstärkt auf bestehenden Grundstücken entstehen – sowohl im gewerblichen als auch im wohnwirtschaftlichen Bereich. Das Beispiel im Antonsviertel zeigt, welche Chancen in der Weiterentwicklung bestehender Gebäude liegen. Aufstockungen sind technisch anspruchsvoll und erfordern sorgfältige Planung. Sie bieten aber einen entscheidenden Vorteil: Es entsteht neuer Wohnraum dort, wo Straßen, Leitungen, öffentlicher Nahverkehr, Einkaufsmöglichkeiten und soziale Infrastruktur bereits vorhanden sind. „Bauen im Bestand ist komplex“, sagt Kriegel. „Aber wenn die Voraussetzungen stimmen, ist es eine der wirksamsten Möglichkeiten, innerstädtisch Wohnraum zu gewinnen. Deshalb möchten wir auch andere Bestandshalter ermutigen, ihre Gebäude unter diesem Blickwinkel zu prüfen.“
Die Reisingerstraße 6 bis 10 könnte damit über das einzelne Bauprojekt hinaus Wirkung entfalten; als Beispiel dafür, wie Augsburg wachsen kann, ohne weiter in die Fläche zu gehen – indem die Stadt an geeigneten Stellen behutsam nach oben weitergebaut wird.
(Dieser Beitrag ist ebenfalls erschienen in der Augsburger Allgemeinen Zeitung vom 4. Juli 2026 / www.augsburger-allgemeine.de)