Standort mit gesunder Perspektive Pflege - ein Berufsfeld mit Zukunft

In wenigen Branchen wachsen die Beschäftigungszahlen so stark wie im Gesundheitswesen. Berufe in der Pflege sind auch in Zukunft krisensicher und relativ unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung.

Interview mit Dr. phil. Sabine Berninger, Vorsitzende Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe Südost (DBfK Südost)

Wie hat sich das Berufsfeld in der Pflege in den letzten Jahren verändert?

Die Gesellschaft und das Gesundheitssystem haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Zwei Beispiele sind eine deutlich weiter entwickelte Gesundheitsversorgung sowie die Zunahme von älteren und von pflegebedürftigen Personen mit hoch komplexen Pflegebedarfen. Auffallend ist auch, dass in den Pflegeeinrichtungen und in der häuslichen Versorgung der Pflegebedarf deutlich gestiegen ist, und die anstehende Krankenhausreform mit der Spezialisierung auf Krankenhausleistungen wird dies weiter verstärken. Um dieser Herausforderung gerecht zu werden und die pflegerische Versorgung unserer Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten, bedarf es der Anpassung der pflegerischen Versorgungsqualität. Und dies beginnt bei der Ausbildung und setzt sich über die Qualifizierung und Spezialisierung von Pflegefachpersonen mit einem bedarfsgerechten Qualifikationsmix in den Einrichtungen, in der ambulanten Begleitung und der sektorenübergreifenden Versorgung fort.

Wir hat sich die Ausbildung in der Pflege verändert, und welche Auswirkungen hat das auf den Beruf?

 

Vor fünf Jahren gab es eine tiefgreifende Reform der Pflegeberufe. Ziel ist nicht mehr, Spezialist:innen für bestimmte Altersgruppen oder Pflegesetting auszubilden. Es soll eine breite berufliche  Grundlage entstehen, die das lebenslange Lernen fördert, um so den immer komplexer werdenden Pflegebedarfen gerecht zu werden. Dies entspricht den internationalen Standards und fördert die Qualitätssicherung in der Versorgung der Bevölkerung. Die Spezialisierung in einzelne Bereiche erfolgt nach der Ausbildung durch Aufbauqualifizierungen, Weiterbildungen oder ein Studium.

 

Vor fünf Jahren gab es eine tiefgreifende Reform der Pflegeberufe. Ziel ist nicht mehr, Spezialist:innen für bestimmte Altersgruppen oder Pflegesetting auszubilden. Es soll eine breite berufliche  Grundlage entstehen, die das lebenslange Lernen fördert, um so den immer komplexer werdenden Pflegebedarfen gerecht zu werden. Dies entspricht den internationalen Standards und fördert die Qualitätssicherung in der Versorgung der Bevölkerung. Die Spezialisierung in einzelne Bereiche erfolgt nach der Ausbildung durch Aufbauqualifizierungen, Weiterbildungen oder ein Studium.

Was hat sich verändert, und warum ist diese Reform so wichtig?

Der größte Meilenstein ist, dass im §4 des Pflegeberufgesetzes die Aufgaben der beruflichen Pflege erstmals über Vorbehaltsausgaben definiert sind. Ganz klar ist hier festgelegt, dass der Pflegeprozess die Grundlage pflegerischen Handelns ist – und die Gestaltung und Steuerung des Pflegeprozesses liegt ausschließlich in der Verantwortlichkeit der examinierten Pflegefachperson.

Man hört öfter den Begriff der Akademisierung in der Pflege. Was ist damit gemeint?

Ganz einfach gesagt: Man kann Pflege auch studieren. Konkret bedeutet dies, dass die Qualifizierung zum Erwerb der Berufsausübung auch über ein Studium erworben werden kann – mit all den dazugehörigen Kompetenzen, die eine akademische Ausbildung beinhaltet. Die akademische Ausbildung ist in fast allen anderen Ländern etabliert und hat dort bereits die Berufsausbildung, wie sie bei uns üblich ist, abgelöst.

Welche Chancen ergeben sich daraus für die Beschäftigten?

Professionelle Pflege ist inhaltlich breit gefächert – und dieses breite Aufgabenfeld ermöglicht verschiedene Zugänge zum Pflegeberuf: die Pflegefachassistenz, die dreijährige Ausbildung sowie ein Bachelor oder Master-Studium. So bekommen durch die akademische Qualifizierung beispielsweise Pflegefachpersonen die Chance, die Kompetenz für steuernde Rollen in der pflegerischen Versorgung zu übernehmen wie Advanced Practice Nursing (APN) oder Community Health Nursing (CHN) und vieles mehr. Dies ist gerade im Bezug auf die selbstständige Heilkundeausübung notwendig, wie sie auch im kommenden Pflegekompetenzgesetz angedacht ist. Denn Pflege kann mehr, als momentan möglich ist. Nur mit guter Pflege und einer fundierten grundständigen und akademischen Ausbildung kann die pflegerische Versorgung unserer Bürgerinnen und Bürger gelingen.
Über unsere Interviewpartnerin

Dr. phil. Sabine Berninger

Vorsitzende Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe Südost (DBfK Südost)

Mitglied im DBfK Bundesverband

Stellv. Vorsitzende Bayerischer Landespflegerat (BLPR)

2001 – 2024: Pflegedienstleitung und ab 2005 Pflegedirektorin der KJF Klinik Josefinum in Augsburg, Lehraufträge an Hochschulen und in der Weiterbildung

1987 – 2001: Krankenschwester Intensiv- und Anästhesiepflege (mit Fachweiterbildung Anästhesie- und Intensivpflege)

Zum DBfK:

Der Deutsche Berufsverband für Pflege (DBfK) ist die berufliche Interessensvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN) und Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates. Der DBfK Südost ist in den Ländern Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vertreten.

Ansprechpartner

Gesundheitswirtschaft und Standortmarketing

Christine Neumann

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