Darum geht’s:
Gemeinsam mehr Sicherheit schaffen: Durch den Austausch von Medizin und Luft- und Raumfahrt entstehen neue Ansätze für sichere Prozesse, klare Kommunikation und einen offenen Umgang mit Fehlern.
Was haben ein Flug zum Mars und eine Tumoroperation gemeinsam?
Mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Denn in beiden Bereichen geht es um hochkomplexe Abläufe, präzise Entscheidungen und vor allem um eines: Sicherheit.
Genau hier setzt eine außergewöhnliche Zusammenarbeit in Augsburg an: Das Universitätsklinikum Augsburg und das Luft- und Raumfahrtunternehmen MT Aerospace arbeiten gemeinsam daran, Sicherheitskultur neu zu denken und weiterzuentwickeln. In einem einzigartigen Cross-Industry-Projekt bringen zwei Hochrisikobranchen ihr Wissen zusammen, um voneinander zu lernen und Prozesse noch sicherer zu machen. Im Mittelpunkt steht dabei ein gemeinsames Ziel: Menschen besser zu schützen – ob als Patient im OP oder als Passagier im Flugzeug.
Zwei Branchen, ein gemeinsames Ziel
Die Kooperation zeigt eindrucksvoll, wie wertvoll der Blick über Branchengrenzen hinweg sein kann. Während die Luft- und Raumfahrt seit Jahrzehnten mit standardisierten Abläufen, mehrstufigen Kontrollmechanismen, klarer Kommunikation und konsequenter Fehleranalyse arbeitet, hat auch die moderne Medizin in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte im Bereich Patientensicherheit gemacht.
Am Universitätsklinikum Augsburg gehören interdisziplinäre und interprofessionelle Teams, strukturierte Entscheidungsprozesse und moderne Technologien längst zum Alltag. Besonders in der Tumorchirurgie tragen robotergestützte OP-Systeme wie der Da Vinci-Operationsroboter, hochauflösende Bildgebung und zertifizierte Behandlungsstrukturen dazu bei, komplexe Eingriffe präziser, planbarer und sicherer zu machen.
MT Aerospace bringt aus der Luft- und Raumfahrt wiederum ein ausgeprägtes Sicherheits- und Prozessdenken ein. Qualitätssicherung, KI-gestützte Fertigung, transparente Dokumentation und eine offene Fehlerkultur sind zentrale Bestandteile der täglichen Arbeit. Entscheidend ist dabei nicht nur die Technik, sondern auch die Haltung: Sicherheit entsteht dort, wo Teams offen kommunizieren, Verantwortung teilen und aus Fehlern systematisch lernen.
So wird hier die Zukunft besser:
Durch den Austausch zwischen Medizin und Raumfahrt werden Prozesse kontinuierlich verbessert, Risiken frühzeitig erkannt und Sicherheitsstandards nachhaltig weiterentwickelt.
Von der Idee zum konkreten Projekt
Was diese Zusammenarbeit besonders macht: Sie bleibt nicht theoretisch. Raumfahrtingenieure erhalten Einblicke in den Operationssaal, während Mediziner Produktionsprozesse der Raumfahrt kennenlernen. So entsteht ein echter Austausch zwischen zwei Welten, die auf den ersten Blick weit voneinander entfernt scheinen, in ihrer Verantwortung aber viel gemeinsam haben.
In mehreren Projektgruppen arbeiten UKA und MT Aerospace gemeinsam an Fragen der Prozessoptimierung, Fehlervermeidung und Sicherheitskultur. Dabei geht es nicht darum, einfache Lösungen von einer Branche auf die andere zu übertragen. Vielmehr werden Erfahrungen, Methoden und Denkweisen verglichen, wissenschaftlich eingeordnet und auf ihre praktische Anwendbarkeit geprüft.
Gerade dieser Ansatz macht das Projekt zu einer echten Erfolgsgeschichte: In Augsburg entsteht ein Modell dafür, wie branchenübergreifende Zusammenarbeit konkrete Wirkung entfalten kann – für die Medizin, für die Industrie und für weitere sicherheitskritische Bereiche.
Rocketeer Festival als Bühne für ein starkes Projekt
Öffentlich sichtbar wurde die Kooperation beim Rocketeer Festival 2025 in Augsburg. Dort stellten Bernd Beschorner, Chief Operating Officer von MT Aerospace, und Dr. med. Florian Sommer, Viszeralchirurg und geschäftsführender Oberarzt am Universitätsklinikum Augsburg, das gemeinsame Projekt in einer viel beachteten Keynote vor.
Im Mittelpunkt stand die Frage, was Raumfahrt und Medizin voneinander lernen können, wenn es um Sicherheit geht. Beispiele aus der Luftfahrt, etwa die Entwicklung moderner Sicherheitsstandards nach dem Flugzeugunglück von Teneriffa 1977, machten deutlich, wie stark standardisierte Kommunikation, Teamentscheidungen und konsequente Fehleranalyse zur Sicherheit beitragen können. Zugleich zeigte der Blick in die moderne Chirurgie, wie auch in der Medizin durch strukturierte Abläufe, technologische Innovationen und Teamarbeit Risiken reduziert werden.
Der Vortrag zeigte eindrucksvoll, welches Potenzial in der Zusammenarbeit steckt und wie relevant das Thema weit über die beiden beteiligten Organisationen hinaus ist.
Besonderheit des Projekts:
Aus der Zusammenarbeit von Medizin und Raumfahrt entsteht ein konkretes Beispiel dafür, wie Innovationstransfer aus dem UKA in die regionale Wirtschaft wirken kann.
Innovationstransfer aus der Universitätsmedizin
Die Kooperation zeigt auch, welches Potenzial im Innovationstransfer aus dem Universitätsklinikum Augsburg steckt. Wie medizinisches Wissen, Forschung und regionale Wirtschaft stärker zusammenfinden können, war auch Thema der A³-Veranstaltung „Universitätsklinikum Augsburg und Gesundheitswirtschaft – Motor für Innovation und Wirtschaftskraft“ am 04.02.2026 in Augsburg. Dort wurde deutlich: Das UKA ist nicht nur ein zentraler Versorger und Ort der Spitzenmedizin, sondern auch ein wichtiger Impulsgeber für Innovation, Kooperationen, Gründungen und neue Anwendungen im Gesundheitsbereich. A³ möchte diesen Austausch weiter fördern und die Vernetzung zwischen Universitätsmedizin, Unternehmen, Wissenschaft und regionalen Partnern gezielt unterstützen.
„Man muss offen, interprofessionell und vorwurfsfrei über Fehler sprechen können"
Bild: Bernd Beschorner (MT Aerospace) und Dr. FLorian Sommer (UKA) bei der Veranstaltung Universitätsklinikum Augsburg - Motor für Innovation und Wirtschaftskraft am 04.02.2026
Drei Tipps zum Nachahmen:
- Offen für branchenübergreifenden Austausch sein und aktiv voneinander lernen
- Klare Prozesse, Checklisten und standardisierte Kommunikation etablieren
- Eine transparente Fehlerkultur fördern, aus der kontinuierliche Verbesserungen entstehen
Weiterführende Links
Universitätsklinkum Augsburg
- Wenn Sie die Wahl hätten: Cockpit oder OP-Saal?
- Standards gegen Fehler: So kämpfen Medizin und Raumfahrt um größtmögliche Sicherheit für Patient und Passagier
B4B Schwaben Website
Rocketeer Website